Flugtag war der 29.6.2007
Dreimal sind wir Richtung Güttin zum Flugplatz gefahren und jedes mal ist das Wetter wieder schlechter geworden. So beschlossen wir, an unserem letzten Urlaubstag einen vierten und letzten Versuch zu starten. Diese Entscheidung war gut so. Das Wetter war an diesem Vormittag super - die Luft war klar und Wind gab es auch fast keinen. In dem kleinen Terminal gab es eine Informationstafel über die gesamten Stecken, welche die Piloten der Ostsee Flug Rügen GmbH anbieten. Zwischen 30 und 90 Minuten kann man die Flugruten buchen. Wir entschieden uns für die 45 minütige Runde. Sie geht von Güttin - über Gingst - an Hiddensee vorbei - Kap Arkona - über den Tromper Wiek - Richtung Stubbenkammer und entlang der Kreideküste nach Sassnitz - vorbei am KdF Prora, dem größten Bauwerk Deutschlands - Jagdschloß Granitz - Putbus - und zurück nach Güttin. Bezahlt war dieser Flug schnell und zudem waren wir die ersten Pasagiere für diesen Tag und somit auch die einzigsten, die bei dem herrlichen Wetter den Flug über die Insel in ca. 610 m Höhe genießen konnten.
Dann ging es los. Noch schnell ein paar Bilder von uns und dem Flieger geschossen und dann einsteigen.
Der Motor wurde angelassen und lief auch schnell warm.
ich, mit meinen drei Besten
- die Familie -
die Cessna Hawk XP 2
D-ESPW
das Paneel der Cessna Flugplatzgebäude mit Tower
Nach ein paar Minuten war der Motor warm und das Öl auf Betriebstemperatur. Der Pilot ließ den kleinen Vogel abheben und brachte sie schnell auf 2000 Fuß, der optimalen Höhe um die Objekte am Boden noch sehen zu können, aber auch um Fernsicht zu haben. Zunächst im Tiefflug über Güttin gewannen wir bereits über Gingst unsere bereits beschriebene Flughöhe. In diesem Ort war ich 1985 im Ferienlager. Weiter über den Koselower See ging es Richtung Hiddensee mit dem Leuchtturm auf dem Dornbusch.
Über den Propeller der Cessna bot sich dem Piloten und mir eine optimale Sicht darauf.
der Ort Güttin - Gingst - der Koselower See der Nordteil von Hiddensee mit dem Dornbuscher Leuchtturm
Dranske mit dem Wieker Bodden war aus der Vogelperspektive ein schöner Anblick. Unser Ferienort Breege lag nun rechts von uns und die Schaabe, ein bißchen Land zwischen Breeger Bodden, dem Großen Jasmunder Bodden und dem Tromper Wiek, mit dem längsten Sandstrand der Insel, sah von oben aus wie eine Sichel.
Nun begann der für uns spannendste Teil des Fluges. Über Putgarten ging es zu Deutschlands Nordkap, dem Kap Arkona. Bekannt für seine zwei eng aneinander stehenden Leuchttürme und den Anfang der Kreideküste.
- Dranske -
und der Wieker Bodden
unser Ferienort Breege
am Breeger Bodden
und die Schaabe
- Putgarten - - Kap Arkona -
Der eckige Turm ist der Schinkelturm und wurde nach den Plänen von Karl Friedrich Schinkel 1926 bis 27 erbaut. Er ist seit 1902 außer Betrieb und beherbergt heute ein Museum. Der große Leuchtturm hingegen weist in den Nachtstunden mit seinem Leuchtfeuer vorbeifahrenden Schiffen den Weg ums Kap. Links daneben befindet sich ein Teil des Burgwalls der Jaromarsburg.
Vitt, leider von Touristen überlaufen, ist das älteste Dorf der Insel. Besonders die achteckige Kapelle mit dem großflächigen Fresko im Inneren geben dem historischen Fischerdorf sein charakteristisches Gesicht.
- Kap Arkona -
das deutsche Nordkap
der neue Leuchtturm
und der eckige Schinkelturm
- Kap Arkona -
das deutsche Nordkap
Fischerdorf Vitt
Über Glowe ging es weiter Richtung Stubbenkammer, vorbei an Schloss Spyker zu den bekanntesten und meist besuchten Kreidefelsen, dem Königsstuhl und die Viktoria-Sicht. Sie liegen im Herzen des Nationalpark Jasmund.
Breege von der Ostsee aus Ferienort Glowe Schloss Spyker alte Kreideabbaustätte
An diesem Küstenstreifen kann man live erleben, wie Wind, Wasser und die Sonne diese steile Küste bearbeitet. Immer wieder rutschen Teile des Hanges ab und verändern die Gestalt der Kreideküste. So rutschte auch vor cirka 4 Jahren bei Lohme ein großes Stück Hang hinab. Die Kreide wird in der Zwischenzeit abgetragen und aufgearbeitet.
Hier sind Strandspaziergänge besonders spannend, da man mit etwas Glück immer wieder Fossilien findet, vor allem Donnerkeile, Seeigel oder auch Klappersteine.
der Nationalpark
Jasmund und Stubnitz
Kreideabgang bei Lohme der Konigsstuhl Viktoria-Sicht und Königsstuhl
Am 27.6.2007 ( zwei Tage vor unserem Flug ) gab es auf Rügen ein Unwetter, welches einen erneuten Abgang verursachte. Das milchige Wasser zeigt besonders gut, wie die Strömungen vor der Küste verlaufen. Man wird sich angesichts dieser Bilder bewußt, wie vergänglich diese Kreideküste ist und wie die Umwelt immer weiter an dem Stück Erdgeschichte nagt.
Kreideküste zwischen
Lohme und Sassnitz
ein zwei Tage alter Abgang nach dem Unwetter vom 27.6.2007 Kreideküste zwischen
Lohme und Sassnitz
- Sassnitz -
Vorbei an Sassnitz und dem neuen Hafen von Mukran ging es weiter Richtung Prorer Wiek, wo auf dem Land das größte Bauwerk Deutschlands steht - die KdF-Anlage von Prora ( KdF - steht für Kraft durch Freude ) - ein Ort nationalsozialistischer Massenerholung. 20 000 Arbeiter aufgeteilt auf 10 000 Zimmer mit je 12 m² und einem ausgetüftelten Freizeitprogramm sollten hier gleichzeitig Urlaub machen. Also Urlaub nach der Trillerpfeife. Nur gut, daß der geplante Bau weiterer solcher Komplexe nie statt gefunden hat.
Das Seebad Binz liegt ca. 3 km von dem Koloss von Prora entfernt. Mehrere Kilometer Sandstrand liegen einem zu Füßen.
Hafen von Mukran KdF-Anlagen in Prora -
nationalsozialistische Utopie
der Massenerholung oder
Urlaub nach der Trillerpfeife
gesamtes Ausmaß der Anlage

KdF-Kraft durch Freude
- Seebad Binz -
Von Binz aus flogen wir wieder Richtung Südwesten über das Jagdschloss Granitz weiter an Putbus mit dem schönen Park, dem Circus vorbei. Auch Putbus hat sich als Stadt schön herrausgeputzt, wenn ich
nur an die Ostzeiten zurück denke.
- Jagdschloß Granitz - - Putbus - Circus von Putbus Flugplatz auf Rügen - Güttin -
Unser Pilot verließ kurze Zeit später schon die 2300 Fuß Flughöhe und flog die kleine aber feine Cessna wieder Richtung Güttin. Noch schnell ein Foto über die Nase des Fliegers geschossen, bevor er ganz sanft auf dem Rügener Flugplatz landete. Diese Runde war wirklich sehr informativ und für jeden empfehlenswert, der keine Flugangst hat.
   
  der Endanflug Joachim Radloff, unser Pilot für den Rundflug über die herrliche Insel Rügen  

Nach unserer Landung zogen immer mehr Wolken auf und später regnete es sogar vereinzelt. Das frühe Aufstehen hat sich bezahlt gemacht.
Ich wünsche allen Piloten der Fluggesellschaft Ostsee Flug Rügen GmbH immer viel Luft unter den Flügeln und auch schöne Touren mit anderen Fluggästen.

Allzeit guten Flug wünscht René Riedel aus Heidenau / Sachsen